Wie ich eine Nacht im Bett eines Nationalspielers verbrachte ...

06:00

Na, das ist doch mal ein Krachertitel … und, neugierig geworden? Aber alles schön der Reihe nach …
     
Es ist ein Tag vor der Abfahrt in den Urlaub  und durch Zufall fische ich mittags eine Nachricht unserer Vermieterin aus dem Spamfilter … unser heissgeliebtes Haus in der Toskana ist in der ersten Woche überbucht ..

Irgendwie ist an dem Tag nicht mehr an arbeiten zu denken … wir hatten uns seit Monaten so auf zwei Wochen dort gefreut und wollten auf keinen Fall nur für eine Woche hinfahren… auf die Schnelle noch etwas halbwegs Bezahlbares zu finden, scheint auch schier aussichtslos … irgendwie nicht nachvollziehbar, da wir ja ein paar Tage zuvor noch miteinander telefoniert haben … abends steht dann fest, Serena hat für die erste Woche  ein größeres Haus als Ersatz für uns.

Freitag, 23.07.2016

Ich quäle mich morgens noch vier Stunden im Büro ab, versuche alles Wichtige zu erledigen und Notizen für alle Notfälle zu hinterlassen … dann nichts wie ab heim, Hasis knuddeln (habe jetzt schon Heimweh - wie immer), alles ins Auto stopfen und ab geht’s …

Wer in Gottes Namen hatte die Idee,  mal nicht nachts, sondern mittags zu fahren .. wir stecken im Stau, bevor wir nur überhaupt  auf der Autobahn sind … Wochendheimfahrer, Berufsverkehr und Unmengen von Holländern… Entschuldigung,  ich hab euch lieb… aber was zum Teufel macht ihr denn alle mit den Wohnwagen auf der Autobahn 😚  ..

Als wir kurz vor dem Gotthardtunnel sind, bekommt mein Mann am Steuer einen Kreislaufkollaps und wir müssen notfallmässig auf dem Standstreifen Fahrerwechsel machen … was Alptraum, ich muss die Hand am Lenkrad haben und gleichzeitig nach meinem Beifahrer schauen … zwischenzeitlich fängt es an, wie aus Eimern zu schütten und wir sind noch ein paar Stunden vom Zwischenstopp entfernt … Uwe fühlt sich mittlerweile hundeelend und hängt wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf dem Beifahrersitz  ..  ich mache mir wirklich ernsthaft Sorgen, da ich meinen Mann selten krank und schon gar nicht so in den letzten 20 Jahren gesehen habe …

Der Weg über den Gotthard ist eine Katastrophe… durch den Tunnel hätte zwei weitere Stunden Verzögerung bedeutet, also blieb nur die Fahrt darüber ..  so hab ich mir meinen Urlaubsbeginn nicht vorgestellt … der Scheibenwischer kommt nicht nach,  ich sehe kaum was, anhalten wollen wir nicht, weil das Hotel nur bis halb elf check-in hat und Uwe nur noch eines will … ins Bett.

Als wir in Varese eintreffen, steigt das Navi aus .. kurzerhand halte ich zwei Mädels an und frage nach dem Weg. Beide kennen das Hotel zwar nicht,  finden aber auf ihrem Handy rasch heraus,  dass es scheinbar in der Nähe ist und bieten an, zu Hause ihr Auto zu holen und vor uns durch das Wirrwarr an Einbahnstraßen herzufahren .. wie ausgesprochen lieb und ich bin dankbar, da Uwe nur noch aschfahl und lausig aussieht. Da mein Mann eine Herzerkrankung bzw. Vorgeschichte hat, mache ich mir nun richtig ernsthaft Sorgen …

Ja, was kann schlimmer sein, als das Hotel nicht zu finden? Richtig, gar keines zu haben … als wir ankommen, hat booking.com trotz Bestätigung am Tag zuvor das Zimmer storniert und keiner weiss warum ... gut,  denke ich mir .. was soll jetzt noch passieren …

Was dann allerdings geschieht, lässt mich noch Tage danach schmunzeln … wir müssen so  mitleiderregend ausgesehen haben, dass uns die beiden Hoteliers kurzerhand angeboten haben, das Zimmer ihres Sohnes zu benutzen .. so müssen wir nur kurz warten, bis Mama das Bett frisch bezogen und die Schuhe und Klamotten unter der Kommode verstaut hat 😂 … Paola erzählt mir  stolz, dass ihr Sohn im Nationalteam der Ruderer ist und sich gerade auf die Olympiade vorbereitet … ich muss lachen … eine Armee von Pokale und Orden.. und ich mitten drin im Bett des Nationalspielers… okay … mit meinem Mann… aber sonst wäre die Schlagzeile ja auch nur halb so interessant gewesen 😉😉.

Dienstag,  26. Juli 2016

Mein Lieblingsspruch im Urlaub ... die Tage tropfen herunter  wie Honig vom Löffel ... da ist echt was Wahres dran. Wir stehen morgens völlig sorglos auf, leben in den Tag hinein, machen Ausflüge und essen, was nur irgendwie halbwegs reinpasst.. schließlich muss es ja wie immer bis zum nächsten Urlaub halten... Trüffel, Wildschwein, Pasta .. soviel wie möglich 😉 ..

Abends trinken wir meistens einen Absacker in der Dorfbar und träumen davon, in Italien unseren Lebensabend zu verbringen .. in dem kleinen Gässchen direkt vor der Bar  trifft sich das ganze Dorf und es dauert nicht lange, bis man hier Anschluss findet .. man stellt einfach ein paar Klappstühle hin, eine Nonna lamentiert aus dem Fenster oben heraus und die Kids turnen bis spät abends unter lautem Toben zwischen den Erwachsenen herum ... das Glas vino bianco kostet ... Achtung... 50 Cent... Hauswein, aber definitiv lecker und trinkbar .. hier will ich leben 😉 ..

Diesen Sommer hatten wir uns (mal wieder) kurzfristig überlegt, ein anderes Urlaubsziel als Italien zu wählen ... hat jedoch nicht lang gedauert, bis wir diese Pläne verworfen haben .. ich war schon an so vielen schönen Fleckchen auf dieser Erde, aber Sommerurlaub ist für mich immer gleichbedeutend mit Italien. Zum Glück tickt mein Mann genauso ... das haben uns (grazie mille) unsere beiden Eltern in die Wiege gelegt ...

Palazzone ist fernab vom Tourirummel ... hier gibt's zwar ein paar Ferienhäuser,  aber man sieht kaum Touris .. und das ist auch gut so. Ich wollte keinen Urlaub in einer Bettenburg verbringen ... ich kann mich noch an die Italienurlaube mit meinen Eltern in den 80ern erinnern, als "Touristenmenus" angeboten wurden .. herrje ... was Alptraum.  Das gibt's hier zum Glück nicht ...  Wahrscheinlich an Adria und Riviera immer noch gang und gäbe 😂😂??

Wir haben einen alimentari um die Ecke, der frische Trüffel anbietet ... das steht ganz oben auf der Liste fürs Wochenende, wenn wir in unser heissgeliebtes La Vigna umziehen ... und dazu hausgemachte Pasta ... Chef,  ich mach ab sofort home office  hier und nehme 50kg zu ... 😂😂 ... jemand muss übrigens Einsehen mit mir haben... mein Geschäftstelefon streikt und so hab ich keinen Plan, was abgeht zu Hause ... und es stört mich nicht die Bohne ... dass ich das mal sage ... so sieht wohl Abschalten aus ... haben wir uns auch redlich verdient! Unzählige Bürotage  mit so masslos sinnlosem und echt unnötigem Stress .. ich hatte ehrlich die Nase gestrichen voll von dem Chaos! Dazu Flüchtlingshilfe und geplanter Umzug unserer Kleiderkammer ... dann noch Workshops, die Spass gemacht haben , aber in der Vorbereitung dann halt doch auch anstrengend waren ... ich war so unendlich urlaubsreif und komme endlich so langsam runter ... Uwe ist zum Glück auch wieder fit ..

Während ich den Post vorbereite (denn in unserem ersten Haus gibt es niente Internet 😉) .. klopft es und Serena's Kids bringen zwei riesige Trüffel.. sie  empfehlen uns der Luftfeuchtigkeit wegen, diese schnell zu verarbeiten ... hm ... daaaas sollte wahrlich  kein Problem werden 😂😂😂 ... die Trüffel riechen so gut nach Wald und Erde ... lecker ! Dazu haben wir vom hauseigenen Olivenhain Olivenöl geschenkt bekommen ... ich bin begeistert, schmeckt super lecker ... ich will hierher auswandern ... kann das noch jemand verstehen ?

Das Haus kommt so langsam auch zu uns ... wir hatten La Vigna gebucht und waren voller wunderbarer Erinnerungen an den allerallerschönsten Urlaub in knapp 20 Jahren... das Haus, das wir alternativ für die erste Woche bekommen haben, ist um zwei Räume größter.. sprich, ich habe sogar noch ein eigenes Bastelzimmer ... nichtsdestotrotz kann es nicht mit Vigna mithalten ... ich vermisse Stachelschweine, Rehe und Eidechsen .. dazu diesen wunderschönen Blick, wenn abends die Fledermäuse ausschwärmen... die Weinberge direkt vor der Tür und die tolle gemütliche Ecke unterm Feigenbaum ... so dekorieren wir hier um, schieben Möbel durch die Gegend und ... warten dennoch auf Samstag, bis wir umziehen dürfen ...


Liebste Grüsse aus der Toskana,
Nana

You Might Also Like

0 Kommentare

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Like us on Facebook

Follow

Subscribe