Silvester in einem 35-Seelen-Dorf auf 1200m Höhe

14:50



2015 war ein ziemlich turbulentes Jahr für uns und wenn ich so zurückblicke, weiß ich nicht, wie wir das alles überstanden haben. Weihnachten 2014 erhielt meine Schwiegermama die Diagnose Krebs und bis zu ihrem Tod im April 2015 vergingen gerade mal vier Monate.

Diese Zeit war geprägt von Hoffen, Bangen und Nicht-wahrhaben-wollen ... in dieser Zeit begreift man erst, was es bedeutet, Familie und Freunde zu haben, die hinter einem stehen ... es war heftig, einen so im Leben stehenden Menschen zu sehen, der innerhalb kürzester Zeit zu einem akuten Pflegefall wird ... und man gönnt seinem Partner auch den Schmerz nicht, zusehen zu müssen ... ich weiss nicht, wieviele Abende wir heulend auf der Couch gesessen sind, um ein paar Stunden später wieder arbeiten zu gehen, als sei nichts gewesen ...

Rückblickend war es eine sehr intensive Erfahrung ... angefangen bei dem ganzen Bürokratiewahn, den man so durchläuft, andererseits haben wir auch plötzlich Hilfe erhalten,  die man so nicht erwartet hätte! Ich fand immer bewundernswert, daß meine Schwiegermama rechtzeitig festgelegt hatte, was sie möchte und was nicht. Dies betraf die Versorgung im Krankheitsfall wie auch die Trauerfeier. Für viele war das in dieser Zeit befremdlich, aber es hat enorm geholfen im täglichen Ablauf. Meine Schwiegermama wurde aus einem ganz aktiven Leben mit eigenem Garten, den sie heiß und innig liebte, und vielen Pflegekindern, für die sie selbst im Erwachsenenalter immer noch die Oma war, herausgerissen. Wir alle – allen voran natürlich sie selbst – hatten nicht wirklich viel Zeit, um so Sprüche wie „da stimmt was nicht“ bis hin zu „wenn sie keine Chemo machen, erleben Sie Ostern nicht – und ich sage Ihnen, das wird qualvoll!“ zu verdauen. Kurz vor Weihnachten Einweisung ins Krankenhaus, am Heilig Abend kurzfristig Entlassung, danach wieder Einweisung, anschließend Unterbringung in Kurzzeitpflege im Heim, um dann festzustellen, daß es hier keinen Weg zurück gibt. Heftig, aber umso dankbarer bin ich, daß mein Mann und ich in der Nacht des Abschieds dabei sein konnten. Das schweißt nochmal ein Stück mehr zusammen ... 

2015 hat allerdings nicht nur Trauriges mit sich gebracht, sondern auch einen tollen Sommerurlaub in Italien und wunderbare, neue Bekanntschaften. Angefangen von der netten Insta-Gemeinde bis hin zu meinen Workshop-Mädels und unserem tollen Kleiderkammer-Team.

Unsere Flüchtlingshilfe war ab Spätherbst auch ein großes Thema  ... wir haben in einem kleinen, aber feinen Team die Kleiderkammer für Flüchtlinge und Bedürftige in unserem Ort errichtet. Ein hartes Stück Arbeit, wenn ich so zurückblicke auf den leeren Raum, mit dem wir begonnen haben. Wir hatten keine Regale, kein System und keinen Plan, um ehrlich zu sein. Und alles hat sich innerhalb kürzester Zeit durch das großartige Engagement aller zu etwas entwickelt, auf das wir mit Stolz schauen .. auch wenn’s nach jedem Öffnungstag wieder etwas gibt, was wir verbessern wollen. Ich hoffe, das Team bleibt uns noch lange so in dieser Konstellation erhalten – einfach nur genial! Ich hoffe auch, wir behalten uns diese Fröhlichkeit und Unvoreingenommenheit bei, mit der wir jeden Donnerstag ans Werk gehen – einfach nur klasse! Bislang sind wir reichlich für unseren Einsatz belohnt worden ... das verschämte Dankeschön von einem Syrer, der alles auf der Flucht abgeworfen hat und sich überschwänglich für ein Paar Handschuhe  bedankt hat - bis hin zu einer Hochschwangeren,  die eine eigene Babybadewanne wie einen Lottogewinn empfindet ... manches Mal denke ich beschämt, wir wissen unser tägliches Glück , in einer Demokratie zu leben, genug zu essen und einen Job zu haben, überhaupt nicht zu schätzen! 




Abgerundet haben wir 2015 dann mit einem Urlaub in Frankreich – fernab von Zivilisation und Internet (das geht tatsächlich! Wenngleich ich auch irgendwann dann die Instas vermisst habe). Wir haben abwechselnd mit den Freunden, die La Grange betreiben, gekocht, gespielt oder einfach nur gefaulenzt und unsere Akkus wieder aufgeladen ... ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einfach nur so in den Tag hinein gelebt habe ... 

Unser Silvester war dann die Krönung ... in einem 35-Seelen-Dorf auf 1200m Höhe bei Freunden unserer Gastgeber ... super leckeres Essen, tanzen auf der "Strasse" (bei uns wäre das die Garagenzufahrt) ... Feiern bis in die späte Nacht ... wir haben uns sehr, sehr wohlgefühlt (auch wenn wir offensichtlich auf einem alten keltischen Friedhof mit Sitzgräbern geschlafen haben und das schon ein wenig gruselig war !) 

Mittlerweile hat uns der normale Wahnsinn  (= Alltag) wieder ... ich hoffe, wir können uns die Erholung ein wenig in 2016 hinüber transportieren ...

Habt eine tolle Restwoche,
herzlichst

Nana

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